23.01.2019

Herzliche Einladung zum Zwölfklassstück „Die Geschichten aus dem Wiener Wald” von Ödön Horváth an der Freien Waldorfschule in Münster

Ein Volksstück – nicht fürs Volk
Geschichten aus dem Wiener Wald ist ein Anti-Volksstück, ein Drama über das Kleinbürgertum. Die Frohsinn-Ideologie der alten Form wird radikal dekonstruiert, greift aber auch auf deren Klischees partiell immer wieder zurück. Horváth schreibt eine dramatische Totalsatire, die deftige Komik insbesondere mit Elementen des (Grusel-)Märchens kombiniert. Menschen erscheinen wie ferngesteuert und auf unheimliche Begebenheiten geradezu gefasst. Viele Personen scheinen eine Maske zu tragen – hinter der kein Gesicht zum Vorschein kommt. Horváths Stück ist ein großer Totentanz ohne Tote. „Die Figuren kommen nicht zu Wort, nur zu Wörtern. Die Rede ist Ausrede. Die Phrase drischt den, der sie zu dreschen meint." (Dieter Hildebrandt, „Der Jargon der Uneigentlichkeit", 1971). Es ist die Katastrophe zwischen dem, was die Figuren sagen, und dem, was sie meinen, zwischen dem, was sie meinen müssen, weil sie dazu erzogen sind, und dem, was sie letztlich zu meinen nicht in der Lage sind (Kurt Kahl). Ihre Sprachlosigkeit wird nicht durch wirkliches Schweigen dargestellt, sondern durch Ersatzhandlungen, durch Floskeln, Meditieren in Schablonen, Sprichwörtern, Höflichkeits- und Unwohligkeitsformeln und in der Phrase als „Sprechen aus zweiter Hand". Hilflos philosophiert Marianne: „Über uns webt das Schicksal Knoten in unser Leben." Alle Figuren führen in diesem Stück einen großen Totentanz auf, einen Amoklauf der Falschheit, immer wieder dringt ein manipuliertes, tendenziell faschistoides Kollektivbewusstsein durch, Erichs unverblümt nationalsozialistisch-rassistisches Geschwätz wird nicht als Skandal empfunden, sondern findet auch bei den eher unpolitisch disponierten Tanten Anklang: „Nur keine Neger!"

Donnerstag, 24. Januar um 10:30 Uhr (interne Schüleraufführung)
Freitag, 25. Januar um 19:30 Uhr
Samstag, 26. Januar um 19:30 Uhr
Sonntag, 27. Januar um 17:00 Uhr

Im großen Saal der Freien Waldorfschule in Münster

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